Im Fluss



Das Verhältnis zwischen Mensch - Tier - Natur hat sich in diesem Jahrhundert schnell verwandelt. Das Drehmoment ist die Globalisierung und die internationale Digitalisierung durch das World Wide Web. Ohne in Katastrophengeheul zu verfallen, oder irgendeinem Ismus aufzuhocken, es wird eng. Es gibt immer mehr Menschen und weniger seltene Tiere. Die Natur ist scheinbar auf dem Rückzug und in der Defensive. Cyber-Kriege sind in Planung. Nun könnte ich mich auf den Standpunkt stellen, geht mich eh nichts mehr an, meine Tage sind gezählt. Das ist bequem und opportunistisch. Auch schweigen könnte helfen, nichts sagen, nichts tun. Den Schlitten laufen lassen, den Abhang hinunter.


Wenn ich in diesen Tagen durch die Natur streife, durch die, die der Mensch noch halbwegs übrig gelassen hat, dann entdecke ich keimende Farben, kaum sichtbar im Kreislauf der Jahreszeiten und unser Wissen sagt uns: sie werden jetzt von Tag zu Tag mehr werden und die Geschwindigkeit wird rasch zunehmen. Das Leben kennt keinen Halt. Und wäre unser Planet nur noch schwarzbraune Asche, irgendwo hätte ein Keim überlebt, oder ein Bakterium, und würde sich entfalten wollen. Wachstum, das Zauberwort. Also wachsen wir alle, immer stärker, immer größer / höher / weiter, bis in und über den Himmel hinaus. Mehr Geld, mehr Häuser, mehr Straßen, mehr Flugzeuge, mehr Waffen, mehr Raketen ..., wachsen, wachsen, wachsen in den Himmel hinein.


Wie war das als ich noch klein war, in den 50er Jahren, keine zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs? Es gab kaum was, aber es reichte allemal zum Leben. Und da es wenig gab, waren die Bedürfnisse kleiner und die Fantasie begrenzt. Einen Fernseher, Fehlanzeige; ein Auto, nein, vielleicht ein Radio, einen Schallplattenspieler, eine Zeitung und gut war's. Und heute? Internet, Cloud, digitale Briefkästen, und immer wieder was Neues. Es gibt Supermärkte wo es früher ein Tante-Emma-Laden war. Und selbst lokale Supermärkte sind die heutigen Tante-Emma-Läden im Angesicht der Handvoll Internet-Riesen, deren Namen alle kennen. Konzentration und Diversifikation auf Weniges und Alles. Gibt es heute noch Sklaven? Ja natürlich, und weltweit. Diesbezüglich, was den Status angeht, hat sich nichts Wesentliches geändert. Millionen Kinder, Milliarden Unterprivilegierte - Wachstumszahlen.


Zukunft. Kriege, Tote, Gefangene, Gequälte und Erniedrigte. Das Leben aber geht weiter, es wächst und wächst in sich selbst hinein. Es scheint unaufhaltsam und allmächtig. Nur so lässt es sich erklären, dass heute alles, wirklich alle, möglich ist. Das ist das Geheimnis, das ist das Wunder und das Unerklärliche, das Leben macht alles mit. Und es soll an dieser Stelle keineswegs der Eindruck erweckt werden, als ob es nur noch Schlechtes gäbe; beileibe nicht. Ich erspare mir die langatmige Aufzählung. Denn selbst wenn noch alles, wirklich und ausnahmslos alles noch schlimmer kommt, wenn z.B. der Brexit noch bis ins 22. Jahrhundert verhandelt würde, die Schweinebaby-Betäubungslos-Kastration weitere 50 Jahre verlängert würde, Glyphosat weltweit als Pflanzendünger verkauft werden würde noch mindestens 30 Jahre usw., das Leben macht alles mit. Es ist robust, unbeirrbar, geduldig und unbelehrbar.


Was bleibt mir am Schluß? Ich staune und wundere mich. Es geht nicht nach dem, was der sogenannte gesunde Menschenverstand sagt, es geht um die Bandbreite. Und da ist G5 eine lahme alte Ente.














„Du musst eine Geschichte erzählen“ oder Mann und Frau an Punkt X


Der geborene Schriftsteller Ernst Lipps nimmt sich Zeit und schreibt über „Zeit“
Ein Schriftsteller kann überall sein, er spricht durch seine Figuren, mit und über sie. Er beleuchtet ihr Innenleben, genauso wie ihre Umwelt. Einer der schreibt, reist in die Vergangenheit, genauso wie in die Zukunft. Was kümmert ihn die Zeit? Dank seiner Vorstellungskraft sind alle Türen offen, auch die zum imaginären Punkt X, wo Weichen gestellt werden. „Zeit“ heißt das Debüt von Ernst Lipps, eine Collage aus Texten und Fotografien, ein Buch, das Biographie, Science-Fiction, Poesie, Beobachtung und Philosophie klug verbindet. „Ich hatte keine andere Wahl“, schreibt der Offenburger Psychotherapeut Ernst Lipps über seine Motivation.   

Ernst Lipps berichtet im Anfang aus seiner Familiengeschichte und ihren Katastrophen. Der studierte Psychologe ist unter der biographischen Last nicht zusammen gebrochen, sondern hat taff sich (etwas) aufgebaut. Trotz vieler Reisen (Sibirien, St. Petersburg, Mongolei) spürte er „einen Fleck in meinem Herz“. Diese Erkenntnis trifft ihn wie ein Hammerschlag. Paris, das er erst mit 60 Jahren kennen lernt, wird zu seinem turning point. „Du musst eine Geschichte erzählen“, wird ihm geraten. Ernst Lipps nennt seine Schriftstellerei „anarchisches Schreiben“, sie beginnt eines Morgens als er „weit in die Zukunft träumte.“

Seine Geschichte ist wie jede gute Story schnell erzählt. Ein Mann und eine Frau betreten die seit 1000 Jahren menschenleere Erde. Sie sind Nachkommen von Flüchtlingen und mit überirdischen Kräften ausgestattet. Ihre menschlichen Emotionen haben sie aber behalten. „Die Menschheit des 21. Jahrhunderts hatte sich mit Stumpf und Stiel ausgerottet“, schreibt Ernst Lipps über „diese unglückliche Rasse“, die mit O'anna und dem Nomaden und Krieger „der 13. Sohn“ einen Neuanfang wagt.

Der Mann in der Geschichte bleibt Wort, die Frau wird Bild. Ernst Lipps hat mit einem Modell in einer alten verlassenen Fabrik künstlerisch hochwertige Akte in schwarzweiß fotografiert. Der Fotograf Ernst Lipps begleitet O'anna vom Eintritt durch eine Tür in die Räume und Hallen, wo die Menschheit am großen, industriellen Rad gedreht hat. Die vielen Scherben sind ein Symbol dafür, wie brüchig doch alles ist. An O'annas Mimik und Gestik liest man die Verwunderung über diesen „lost place“ ab. Diese Reste der Zivilisation sind Anfang und Ende zugleich. Ernst Lipps spielt mit Licht, Perspektiven, Schärfen und Unschärfen. Seine Bilder sind Kunst.  

Ernst Lipps nimmt sich die künstlerische Freiheit die Story zu verlassen. Anfangs hatte man den Eindruck, dass hier ein Romantiker und Neo-Symbolist seine Protagonisten wie ein Caspar David Friedrich in seinem berühmten Bild „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ (ca. 1818) verortet. Hinten liegt unsichtbar die Vergangenheit, vorne unterm Nebel die ungewisse Zukunft. Ernst Lipps lichtet den Nebel, schreibt über Glück und die Entzauberung unseres Lebens „durch die Vorherrschaft der Maschinen, besonders der Computer“.

Ernst Lipps' „Zeit“ bewahrt den Zauber, nicht nur am Anfang, wo bekanntlich immer ein Zauber inne wohnt, sondern auch am Schluss, auch ohne klassisches Happy End. O'anna wird Mutter, „der 13. Sohn“ wird ein Vater und bleibt auf der Erde und wird sich wohl vom Krieger und Nomaden zum sesshaften Bauer wandeln. „Wer hier dauerhaft leben will, muss was tun, die Dinge in die Hand nehmen, nicht hoffen und warten bis alles gut ist. Wildes Land.“ Diese heroischen Zeilen könnten aus einem John Ford Film sein, tatsächlich stammen sie von einem Neo-Symbolisten aus Offenburg. Ein programmatisches Buch!


Pressetext von Pascal Cames, Offenburg, 21.11.2016

Belletristik - Science-Fiction - Fantasy - Novelle - Aktfotografie


Zu beziehen über AMAZON


Im Buchhandel: ISBN: 978-3-945572-02-3

 

Stimmen zum Buch:

"Ein Geschenk an die Menschheit"  


"... ich habe angefangen zu lesen, bin eigentlich hin und weg, ich weiss gar nicht, was ich

erwartet hab', wahrscheinlich ein Fachbuch, aber sicher nicht so was. Ja, ich bin ..., was

soll ich sagen ..., hin und weg und überrascht, wie leicht und doch fest verwoben das

Gespinst aus Zeit und Raum, aus Realität und Fiktion, aus Gegenwart, Vergangenheit und

Zukunft, wie leicht das daherkommt. Also ich bin ganz schön platt."